(II) Videotagebuch: Als Messestädter in Astana, Kasachstan

Auf dieser Seite veröffentlicht Horst Stenzel das Videotagebuch seines zweimonatigen Aufenthalts in der Hauptstadt Kasachstans. Vor zehn Jahren, als auch in der Messestadt  München-Riem die ersten Bauten entstanden, zogen Präsident Nursultan Nasarbajew und seine Regierung von der bisherigen Hauptstadt Almaty 1000 Kilometer weiter westlich nach Astana. In bemerkenswert kurzer Zeit entstand in Zentralasien eine bemerkenswerte archtektonische Kulisse. Das Tagebuch gibt einige sehr subjektive Eindrücke wieder.

Warum nach Astana?


Es war keine Vergnügungsreise nach Kasachstan. Für zwei Monate war das Knowhow eines Fernsehmenschen aus Deutschland gefragt. Sprachbarrieren wurden überwunden. Eine Wohnung wurde gefunden. Ein Arbeitsplatz stand bereit. Es ist nicht so, das man in Zentralasien nicht weiß, wie eine TV-Serie produziert wird. Aber der Auftraggeber der zwölfteiligen Serie, ein staatlicher Fond, wollte nicht ohne eigenen Ratgeber in die Verhandlungen mit einem Fernsehsender gehen.  Zumal ein sechsstelliger Betrag für das Projekt bereitstand. Und ganz nebenbei erhielt NIF noch den einen oder anderen guten Tipp.

Meine Wohnung in Astana

So sehen die neuen Wohnhochhäuser in Astana aus: Billig gebaut, praktischer Grundriss, fragwürdige Bauqualität. Kaum bezogen, sehen sie aus, als hätten sie dringend eine Generalüberholung nötig. Ich erlitt einen Kulturschock.

Astana – blauer Glanz von Stahl und Glas

Die zehn Jahre alte neue kasachische Hauptstadt Astana wirkte im ersten Moment auf mich wie ein architektonisches Freiluftmuseum: Überall Fassaden in Blau und Türkis, gewagte Gebäude-Formen wie aus der Spielzeugkiste, gähnende Baustellen-Löcher, hoch getürmte Steinhaufen im sowjetischen Zuckerbäcker-Stil und Blöcke mit Wohnhäusern, die stark an die Ära des berüchtigten Plattenbaus erinnern. Berühmte Architekten konnten sich hier nahezu ungehemmt selbst verwirklichen: Sir Norman Forster, Frank Gehry, Kisho Kurokava, Luca und Manfredi Nicoletti. Die Wohnblocks mit dem Plattenbau-Charme haben anonyme Entwerfer, und das ist vielleicht auch gut so für sie. Jedenfalls ein starker Kontrast zu dem vom Bauhaus-Stil geprägten Häusern in der Messestadt.

Tote Hosen in Astana

Ein Beitrag zum deutsch-kasachischen Jahr war die Einladung der Deutschen Botschaft in Astana zu einem Konzert der „Toten Hosen“. Es war ein großer Erfolg, 1.500 Fans waren gekommen – nicht nur, weil der Eintritt frei war. Mir klingelten allerdings noch am nächsten Tag die Ohren wegen der Phone-Stärke der Bands. Das Vorprogramm bestritten die kasachischen Punkrockbands „The Parfjumery“ und „Green Team“ aus Astana und Kokschetau.

Am Wasser gebaut: Astana

Die Esil ist ein kleiner Fluss, der sich durch Kasachstans neue Hauptstadt Astana zieht und in diesem Bereich aufgestaut ist. Rechts die neuen Ministerien, Repräsentationsbauten und Business-Centers. Markant sind die vielen blauen Glasfassaden. Links das alte Astana. Verbunden werden die beiden Teile durch vier mächtige Brücken. Der Fluss wird beidseitig gesäumt von großzügigen Uferpromenaden. Die Arbeiten daran sind noch nicht beendet, wie vieles in der Stadt. Für mich waren die Wanderungen am Wasser die schönsten Wege in Astana.

Astana Suburb

Mit der Linie 35 an den Stadtrand von Astana – und man befindet sich in einer früheren Zeit. Im Dorf stehen noch Jurten, die klassischen Zelte der Nomaden.Sie sind überall in Kasachstan sichtbare Symbole. Die Architektur hat sie für sich reklamiert und zu unübersehbaren Elementen moderner Repräsentationsbauten und Wolkenkratzer gemacht. Es sind Zitate einer untergehenden Idylle. Die Nomaden werden sesshaft. Längst ist auch für sie die Moderne in Sichtweite. Ich habe eine Jurte besucht.

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4 Antworten zu (II) Videotagebuch: Als Messestädter in Astana, Kasachstan

  1. Pingback: RadiTV – die Filme | RadiTV – Filme aus der Messestadt

  2. Christian schreibt:

    Super, jetzt weiß ich nicht nur, wo Du gewesen bist, sondern auch, wohin meine Halbschwester mit ihrem Mann für sieben jahre gegangen ist. Sie ist, wie ich seit gestern weiss, seit zwei Wochen dort.

  3. Edelgard Stadler schreibt:

    Sehr eindrucksvoll. Das mit dem Kulturschock glaub ich sofort. Den bekomme ich schon hier am Bildschirm. In Astana würde ich mich sofort aufmachen und die Jurten suchen mit Laminat, Küchenzeile und Badewanne. Ich wünsche mir seit Jahrzehnten eine Jurte (ohne L+K+B). Du weißt, ich hab das entsprechende Plätzchen.

    Sei vorsichtig – der eigentliche Kulturschock kommt wenn Du zurückkommst.
    Dir wünsche ich eine erfolgreiche und zufriedene Zeit und daß Deine Arbeit dort direkt oder indirekt ihre Nachhaltigkeit hat.
    Servus und viele Grüße aus dem altmodischen München

  4. Franziska schreibt:

    Herzlichen Dank für die Informationen aus Kasachstan, das ich 1993 für 2 Monate besucht habe – ein klein wenig „zurück kommen“ vor allem bei den Bildern von Almaty, der Wohnung und ihren Tücken sowie die Jurte – mit Badewanne!

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